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Mentale Gesundheit: was bedeutet das?

Mentale Gesundheit wird von vielen Menschen mit psychischen Störungen assoziiert. Und diese Störungen sind häufig mit einem Stigma verbunden. Sie werden gerne verschwiegen oder mit negativen Begriffen wie „verrückt“ oder „gefährlich“ belegt.

Eigentlich beschreibt mentale Gesundheit einen Zustand des mentalen Wohlbefindens. Negative Zuschreibungen – bewusst oder unbewusst – führen lediglich dazu, dass Kinder und Jugendliche nicht die nötige Hilfe suchen oder Unterstützung erfahren.

Mentale Gesundheit sollte ebenso wie körperliche Gesundheit als Grundstein der menschlichen Fähigkeit angesehen werden, zu denken, zu fühlen, zu lernen, Beziehungen zu führen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Die Bandbreite mentaler Gesundheit erstreckt sich von guter psychischer Gesundheit über punktuelle Krisen bis hin zu schweren psychischen Erkrankungen. Die Übergänge sind meist fließend.

Wer dies versteht, sieht mentale Gesundheit mit anderen Augen und kann Kinder und Jugendliche besser fördern, schützen und unterstützen. (Quelle: UNICEF-Bericht zur Situation der Kinder in der Welt 2021)

Definition von zentralen Begriffen

Mentale Gesundheit

Mentale Gesundheit ist laut WHO „ein Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft leisten kann“.

Bei Kindern müssen in diesem Zusammenhang das Alter und die individuelle Entwicklung berücksichtigt werden. Dabei geht es auch um ein positives Identitätsgefühl und die Fähigkeit mit Gedanken und Emotionen umzugehen, Beziehungen aufzubauen und zu lernen.

(Quelle: Children 2021: On My Mind – Promoting, protecting and caring for children’s mental health, UNICEF, New York, October 2021)

Wohlbefinden

Wohlbefinden hat zwei Dimensionen: eine subjektive und eine objektive. Maßgebliche Bestandteile des objektiven Wohlbefindens sind die Lebensbedingungen von Menschen und ihre Chancen auf Nutzung ihres Potenzials – Chancen, die unter den Menschen gerecht verteilt sein sollten.

Wesentliche Aspekte für objektives Wohlbefinden sind Gesundheit, Bildung, Arbeitsplatz, soziale Beziehungen, Umwelt, Sicherheit, Bürgerbeteiligung, Politikgestaltung, Wohnbedingungen und Freizeit.

Subjektives Wohlbefinden ist vor allem mit den Lebenserfahrungen von Menschen verknüpft.

(Quelle: WHO Faktenblatt Gesundheit 2020: Ziele und Vorgaben)

Psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen stellen Störungen der mentalen Gesundheit einer Person dar, die oft durch eine Kombination von belastenden Gedanken, Emotionen, Verhaltensweisen und Beziehungen zu anderen gekennzeichnet sind. Beispiele sind Depressionen, Angststörungen, Verhaltensstörungen, bipolare Störungen und Psychosen.

(Quelle: Psychische Gesundheit – Faktenblatt, WHO Regional Office for Europe)

Mental health and psychosocial support (MHPSS)

Dieser Ansatz beschreibt jede „Art von lokaler oder externer Unterstützung, die darauf abzielt, das psychosoziale Wohlbefinden zu schützen oder zu fördern und /oder psychische Störungen zu verhindern oder zu behandeln“.

Psychosozial

Beschreibt den Einfluss sozialer Faktoren auf den Verstand und das Verhalten und die Wechselbeziehung zwischen Verstand und Gesellschaft in der menschlichen Entwicklung.

(Quelle: Children 2021: On My Mind – Promoting, protecting and caring for children’s mental health, UNICEF, New York, October 2021)

Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Wer als junger Mensch psychisch erkrankt, ist als Erwachsener psychisch stärker gefährdet. Über die Hälfte der psychischen Erkrankungen entsteht vor dem 19. Lebensjahr.

  • Häufigste Störungen des Kindes- und Jugendalters sind Angststörungen, depressive und hyperkinetische Störungen (Überaktivität) sowie dissoziale Störungen (dauerhaft aufsässiges und aggressives Verhalten).
  • Kleinkinder: Bis zum 4. Lebensjahr machen Entwicklungsstörungen rund 70 Prozent der psychischen Erkrankungen aus. Dies sind Probleme der Aussprache, dem Verstehen von Worten oder schwerwiegende Beeinträchtigungen der motorischen Koordination.
  • Schulkinder: Im Schulalter nehmen vor allem Ängste und Depressionen zu. Fast fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen leidet an überdurchschnittlichem Bewegungsdrang und Schwierigkeiten sich zu konzentrieren (ADHS). Häufig sind ferner dauerhaft aufsässiges und aggressives Verhalten.
  • Jugendliche: Bei 15- bis 18-Jährigen nehmen Depressionen und psychosomatische Erkrankungen, aber auch Suchterkrankungen (Alkohol, Computerspiele und illegale Drogen) stark zu.
  • Geschlechter: Jungen sind häufiger psychisch krank als Mädchen. Ab dem 15. Lebensjahr kehrt sich der Geschlechtsunterschied um. Jungen erkranken viereinhalbmal so häufig an ADHS, sie neigen stärker zu aggressivem und oppositionellem Verhalten, sie schwänzen häufiger die Schule oder laufen von zuhause weg. Sie sind auch häufiger suchtkrank. Bei Mädchen überwiegen Essstörungen und psychosomatische Leiden. In ihrer Jugend leiden sie doppelt so häufig wie Jungen unter Depressionen, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit.

(Quelle: BPtK Faktenblatt – Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, 2017)

Einflüsse auf mentale Gesundheit

Mentale Gesundheit und Wohlbefinden werden nicht nur durch individuelle Merkmale beeinflusst, sondern auch durch die sozialen Umstände, in denen sich Menschen befinden, und die Umgebung, in der sie leben. Diese Determinanten interagieren dynamisch und können den psychischen Zustand einer Person bedrohen oder schützen.

(Quelle: Psychische Gesundheit – Faktenblatt, WHO Regional Office for Europe)

WHO (2012) Risks to Mental Health

5 Schritte zum psychischen Wohlbefinden

Es gibt 5 Schritte, die empfohlen werden, um die mentale Gesundheit und das psychische Wohlbefinden zu verbessern.

1. Sich mit anderen verbinden

Gute Beziehungen sind wichtig für Ihr psychisches Wohlbefinden. Sie können …

  • helfen, Zugehörigkeit und Selbstwert aufzubauen.
  • die Möglichkeit schaffen, positive Erfahrungen zu teilen.
  • emotionale Unterstützung bieten und es ermöglichen, andere zu unterstützen.

Beispiel: Freund:innen treffen oder Zeit mit der Familie verbringen

2. Körperlich aktiv sein

Aktiv sein ist nicht nur gut für die körperliche Gesundheit und Fitness. Es ist erwiesen, dass es auch das psychische Wohlbefinden verbessern kann. Körperlich aktiv zu sein, …

  • … steigert das Selbstwertgefühl.
  • … hilft dabei, sich Ziele zu setzen und zu erreichen.
  • … ruft chemische Veränderungen im Gehirn hervor, die die Stimmung positiv verändern. („Glückshormone“)

Beispiel: Körperlich aktiv sein, heißt nicht sportliche Höchstleistungen zu erbringen. Die Aktivitäten (laufen, wandern, Rad fahren) sollen Spaß machen und sich leicht in das Leben integrieren lassen.

3. Neue Fähigkeiten lernen

Die Forschung zeigt, dass das Erlernen neuer Fähigkeiten auch das psychische Wohlbefinden verbessern kann, indem es …

  • … das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl stärkt.
  • … ein Gefühl der Zielstrebigkeit entwickelt.
  • … hilft mit anderen in Kontakt zu treten.

Beispiel: Eine neue Sportart ausprobieren oder lernen etwas (z.B. Fahrrad) zu reparieren. Es gibt viele kostenlose Video-Tutorials im Internet.

4. Etwas geben

Die Forschung zeigt, dass Geben und Freundlichkeit das psychische Wohlbefinden verbessern können, indem es …

  • … positive Gefühle und ein Gefühl der Belohnung hervorruft.
  • … ein Gefühl von Sinn und Selbstwert vermittelt.
  • … hilft, sich mit anderen Menschen zu verbinden.

Dabei kann es sich um kleine Taten der Freundlichkeit gegenüber anderen Menschen handeln, aber auch um größere, wie z. B. ehrenamtliche Arbeit in Ihrer Gemeinde.

5. Auf den Moment achten

Wer dem Moment mehr Aufmerksamkeit schenkt, kann sein psychisches Wohlbefinden verbessern. Dazu gehören Gedanken und Gefühle, Körper und die Welt um einen herum.

Manche Menschen nennen diese Aufmerksamkeit „Achtsamkeit“. Achtsamkeit kann helfen, das Leben mehr zu genießen und sich selbst besser zu verstehen. Sie kann die Art und Weise, wie (junge) Menschen das Leben sehen und Herausforderungen angehen, positiv verändern.

(Quelle: 5 steps to mental wellbeing https://www.nhs.uk/mental-health/self-help/guides-tools-and-activities/five-steps-to-mental-wellbeing/)

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